Das wissenschaftliche Poster als Kunst Inhalte kondensiert darzustellen.
Die Freude ist groß, wenn der eingereichte Beitrag auf einem Kongress angenommen wird, ist es doch Ausdruck dafür, dass sich die viele Arbeit und der Zeitdruck zum Abgabetermin sich gelohnt haben, und das Thema von Interesse ist. Doch wird der Beitrag dann doch nicht wie eingereicht als Freier Vortrag angenommen, sondern als Posterbeitrag wird die Freude verhaltener und Überlegungen kommen ins Spiel den Beitrag zurückzuziehen. Nicht deshalb weil man die Arbeit der Postergestaltung scheut – im Grunde genommen steckt fast mehr Arbeit darin, da auf wenig Raum das wesentliche verständlich zusammengefasst werden muss, ohne zusätzliche Erklärungen – sondern weil auf vielen Kongressen die Posterpräsentationen ein „Schattendasein“ führen.
Lassen Sie mich darstellen welche Gründe aus meiner Sicht für die Präsentation eines Posters auf einem Kongress sprechen:
- Die Reflexion der eigenen Inhalte bei der Gestaltung des Posters
- Evtl. die Möglichkeit in 2 bis 5 Minuten den Inhalt seiner Arbeit / des Posters verkürzt präsentieren zu können
- Die Möglichkeit eines vergünstigten Kongressbeitrags
- Die grundsätzliche Möglichkeit an einem Kongress teilzunehmen, da ohne eigenen Beitrag die Teilnahme vom Arbeitgeber nur durch Überzeugungsarbeit erreicht werden kann!
- Die Veröffentlichung des Abstracts im Internet oder gar in einem Abstractband oder Verbandsorgan, so dass die beschriebenen Erkenntnisse langfristig abgerufen werden können (Dies wird für Wissenschaftler zunehmend wichtig auf der Jagd nach Impact und Publikationen).
Diesen einschlägigen Argumenten steht auf der anderen Seite die tatsächliche Realität der Posterpräsentationen auf einem Kongress gegenüber. Wie wird die Wertschätzung der Poster von den Autoren tatsächlich wahrgenommen? Als Bespiel möchte ich an dieser Stelle von einem Kongress in Nürnberg berichten, der vor kurzem statt fand, jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass Posterpräsentationen anderswo ein ähnliches Dasein fristen und ähnlich organisiert sind:
- Bei besagtem Kongress wurde weder im Programm noch in der Pausenankündigung auf die Posterausstellung hingewiesen, auf die Industrieausstellung dagegen sehr wohl. Dazu die Anmerkung eines Verantwortlichen: „Man sieht ja dass dort Poster sind. Das ist ja immer so. Da muss man nicht explizit noch darauf hinweisen.“ Gegenfrage: Sieht man die Stände der Industrie nicht? Sind die nicht auch immer da? Oder wieso muss man auf sie hinweisen und auf die Poster nicht?
- Für die Kongressteilnehmer war aus dem Programm nicht ersichtlich wann der Posterrundgang oder gar eine Posterprämierung terminiert war. Lediglich die Autoren der Posterbeiträge wurden vorab schriftlich informiert, dass aufgrund der Vielzahl an Poster keine Zeit für einen Posterrundgang möglich sei. Immerhin wurde ihnen der Zeitpunkt der geplanten Prämierung mitgeteilt.
- Und zu guter letzt war die Hälfte der Poster direkt neben der Raucherecke aufgestellt (in Bayern gilt das Nichtraucherschutzgesetz erst ab 1.1.2008), die andere Hälfte auf der gegenüberliegenden Seite, auf dem Weg zur Toilette. So war zumindest sichergestellt, dass die Raucher in den Pausen die Möglichkeit hatten sich die Poster eine Zigarettenlänge lang zu betrachten.
An dieser Stelle möchte ich 3 Lösungsansätze skizzieren, die sowohl den Bedürfnissen der Organisatoren wie auch die der Posterautoren gerecht werden können:
- Die Poster sollten zentral platziert werden, damit man sie von allen Kongressteilnehmern wahrgenommen werden, als gleichwertiges Element des Kongresses fungieren und als Begegnungsstätte dienen.
- Die Anzahl der Posterbeiträge ist vom Programmkomitee so zu beschränken, dass ein Posterrundgang möglich ist.
- Der Posterrundgang kann in mehreren themenbezogenen Gruppen durchgeführt werden. Dabei können wie bei anderen Kongressen praktiziert (DEGAM) die Poster durch Kongressteilnehmer vorgestellt werden. Dazu fordern die Moderatoren im Vorfeld der Posterbegehung gezielt Kongressteilnehmer auf sich ein Poster und das dazugehörige Abstract anzuschauen und das Poster beim Rundgang vorzustellen. Hierbei wird deutlich, ob Inhalt und Aufbau des Posters für den Betrachter verständlich präsentiert wurden. Der Autor steht dann noch für zusätzliche Fragen zur Verfügung.
Das hier beschriebene Verfahren ist zwar nicht in 30 Minuten „durchzuziehen“, lenkt aber die Aufmerksamkeit auf die Inhalte und Aussagen der Poster und kann so eine breitere Zuhörerschaft erreichen. Die Anerkennung der vielen Arbeit, die man in ein Poster stecken muss wird auf diese Weise spürbar.
Als regelmäßiger Kongressteilnehmer weis man, dass die Betrachtung der Poster oftmals sehr anstrengend ist und die kondensierten Informationen zwischen den dicht gedrängten Vorträgen nur fragmentiert aufgenommen werden können. Ist es da nicht an der Zeit pädagogisch sinnvolle Konzepte einzusetzen, die den Postern und deren Inhalten gerecht werden?