Pflegewissenschaft – der harte Alltag

In der Juni Ausgabe der Zeitschrift „Forschung & Lehre“ schrieb Gabriele Meyer unter dem Titel „Fischen im Trüben“  einen grandiosen Beitrag über die harte Realität des (pflege)wissenschaftlichen Berufsalltags. Aus der Perspektive einer Antragsschreiberin berichtet sie von den Tücken und Hürden der  Drittmittelbeantragung und –vergabe. Deutlich wird dabei, dass ein noch so wohl gefeilter und innovativer Antrag scheitern kann und die unklaren Bewertungsgrundlagen zu Sinnkrisen führen können. Dieses Produzieren von „Ausschuss, für die Ablage vorgesehene Papiertiger“ ist unbefriedigend, weil man auf der einen Seite die Notwendigkeit von Forschung gerade in der pflegerischen Praxis wahrnimmt, auf der anderen Seite entsprechende Forschungsvorhaben aber nicht genehmigt werden. Von Seiten der Praxis muss man sich zur gleichen Zeit den Vorwurf gefallen lassen, keine echten Innovationen entwickelt zu haben oder brennende Forschungsfragen nicht zu beantworten.
Von meinen ehemaligen Kolleginnen, die der Praxis treu geblieben sind, höre ich manchmal den Vorwurf: „In der Pflegewissenschaft macht man sich auch nicht müde“  oder „Das ist ein typischer Faulenzerjob“. Von den tatsächlichen Anforderungen haben die offensichtlich keine Vorstellung. Neben der Produktion von Papierstapeln für Anträge, ist sicherlich auch die Zeitverdichtung ein (pflege)wissenschaftliches Problem. Geißler und Orthey haben dies kürzlich in einem sehr lesenswerten Artikel im DUZ-Magazin plakativ dargestellt (http://www.duz.de/docs/artikel/m_04_07Zeit.htm). Mit der Forderung „Avanti Simultanti!“ verbinden sie die Hoffnung, dass das parallele Abarbeiten ohne Freiraum für kreative Schaffensprozesses bald ein Ende hat. Die derzeitige Realität sieht anders aus: „Immer weniger wird
erarbeitet, immer mehr nur weggearbeitet.“ und „Die zeitkomprimierende Arbeitsweise hat die schöpferische Tätigkeit in den
Universitäten erobert.“ Ein ebenso grandioser Beitrag.

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