Die DG-Pflegewissenschaft sucht sich selbst

Auf den Seiten der DG-Pflegewissenschaft ist jetzt ein Kurzbericht der Mitgliedertagung am 17.04.2007 einsehbar. Hier ging es um die “Gestaltung des inneren und äußeren Dialogs” und Fragen der Sektionsstruktur. Zwei Sachen sind daran positiv hervorzuheben: 1) Die Tatsache, dass überhaupt ein Bericht geschrieben und ins Netz gestellt wurde, spricht dafür, dass Transparenz nicht nur gefordert, sondern auch umgesetzt wird. 2) Auch in den eigenen Reihen gibt es kritische Stimmen und die Bereitschaft zur Veränderung. Zwischen den Zeilen wird deutlich: Es gibt eine Vielzahl von Interessen (persönliche wie auch berufspolitische), die unter einen Hut zu bringen sind.

Ein ganz persönliches Brainstorming:

1) Kommunikationsstrukturen: Ich wünsche mir eine pluralistische Fachgesellschaft in der die Meinungen aller gehört und auch strukturiert abgefragt werden. Dazu gehört noch mehr Transparenz und Mitbestimmung über die Finanzierungen von Sektionen, Forschungsprojekten und Tagungsbeteiligungen. Dazu gehört Transparenz und Mitbestimmung über die Auswahl von Themen für die Mitgliederversammlung. Dazu gehört Transparenz über die Arbeit und Ziele in den Sektionen. Konkret drängen sich drei Fragen auf: a) Wer bestimmt eigentlich welche Informationen und Neuigkeiten auf der Homepage platziert werden? Wer entscheidet über die Auswahl von Fachbeiträgen in der Zeitschrift Pflege & Gesellschaft? Wer entscheidet über die Themen für Fachkongresse?  Delegation und Integration könnte das Motto der nächsten Jahre lauten, dann gelingt es auch mehr Mitglieder gewinnen und Netzwerke über die Landesgrenzen von NRW und Niedersachen hinaus zu bilden.

2) Sektionsstruktur: Hinsichtlich der Gestaltung der Sektionen merkt man, dass die Sektionsstruktur gewachsen und nicht strukturiert geplant wurde. Hier scheint es hilfreich, klare Strukturen auf gleichem Auflösungsgrad zu schaffen. Andere Fachgesellschaften können hier ein Vorbild sein, z.B. durch die fünf Komponenten: Theorie, Praxis, Methoden, Berufspolitik, Historische Forschung. Diese Hauptsektionen sind selbst wieder untergliedert und nutzen entsprechende Kommunikationsstrukturen. Eine derart gegliederte hierarchische Sektionsstruktur kann handlungsfähig bleiben und Trends überleben. Bisher entstehen Sektionen aufgrund eigener Expertise, Interessen und aktuellen Forschungstrends. Dies führt zu Schwerpunktsetzungen auf unterschiedlichem Niveau. Wenn eine Sektion „Bildung“ neben der Sektion „Pflegephänomen Inkontinenz“ existiert, dann ist das so, als würde im Verband der Gemüsewirtschaft, eine Sektion „Ertragssteigerung“ neben der Sektion „Schräglagenanbau der Bio-Karotte Milan in Ost-Westfalen“ existieren. Beides  ist relevant. Beides ist interessant. Aber die Struktur fehlt.

Zur Sektionsgründung gehört auch eine klare zeitlich festgelegte Zielsetzung. Bei einigen Sektionen fehlt dies - zumindest in der Internetdarstellung.

Fazit: Mit den frischen Impulsen, die von der Mitgliedertagung am 17.04. ausgehen, wird es sicherlich gelingen, geeignete Veränderungen zu erreichen. Wichtig ist auch hier eine klare Zielbildung, Zielbindung und eine schnelle Umsetzung, denn während man in Villabajo noch auf der Suche nach sich selbst ist, laufen in Villariba schon die ersten Vorbereitungen zur Gründung einer neuen pflegewissenschaftlichen Fachgesellschaft.

Ein Kommentar zu “Die DG-Pflegewissenschaft sucht sich selbst”

  1. ein "Aussenstehender"

    Zuerst: Erstaunlich, dass es noch gar keine Kommentare gibt…traut sich keiner…Big Brother…äh..*B*ig *S*ister is watching you!
    Schade ist, dass es die science community geschaft hat, die Möglichkeiten, die eine junge Wissenschaftsdisziplin mit ihren kreativen Köpfen hat, nicht zu nutzen und sich scheinbar - ich kann es als Aussenstehender (i.S. von ausserhalb des Kreises der Etablierten, nicht als “Nicht-Pflegewissenschaftler”) vielleicht nicht beurteilen, jedoch gerade der Eindruck für Aussenstehende sollte bedacht werden - ein schlimmerer Klüngel entwickelt hat, als man das von den etablierteren Disziplinen kennt.
    Hoffentlich besinnt man sich noch und handelt nun “strategisch” und über die “(…)Landesgrenzen von NRW und Niedersachen hinaus”!
    “Glück Auf!”

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