Assessment-Center in der Pflege

Gleich in zwei Pflegezeitschriften wird im Monat Januar das Thema “Bewerberauswahl an Pflegeschulen” aufgegriffen. In “Die Schwester/ Der Pfleger” treffen German Quernheim und Michael Sölter aufeinander. Der eine vehemeter Befürworter und Nutznießer - da Anbieter - von Assessment-Centern (AC), der andere Ablehner dieses Auswahlverfahren. Die Argumente von German Quernheim überzeugen und decken sich mit den wissenschaftlichen Befunden zur Personalauswahl in der Pflege.

Michael Sölter zieht zur Ablehnung der ACs ein Zitat aus Wikipedia heran, dass in diesem Zusammenhang aber unbrauchbar ist. Natürlich ist auch das Assessment-Center nicht das Gelbe vom Ei und tatsächlich ist die Konstruktvalidität ein Problem: Die Einführung von Bewertungsdimensionen führt nicht zu einem wirklich differenziertern Urteil.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Richtig ist auch:

  • Assessment-Center weisen eine höhere Validität auf als das Auswahlgespräch alleine, erlauben also genauere Aussagen über die spätere Eignung
  • Der Mehrwert liegt in der höheren Bewerberzufriedenheit und in der Reflektion der Bewertungsdimensionen
  • Die Qualität des Verfahrens steht und fällt mit der Qualität der vorgelagerten Schritte: z.B. Anwerbung und der Anforderungsanalyse.

Dem rein subjektiven Erfahrungsbericht widersprechen die bisherigen empirisch nachgewiesenen Befunden, die das Verfahren als geeignet erscheinen lassen.
Grundsätzlich ist anzumerken, dass Assessment-Center in der Auswahl von Auszubildenden bisher sehr selten eingesetzt werden. Die letzte Untersuchung im Rahmen einer Diplomarbeit an der KFH-Freiburg von Arthur Pradyzinksi (2002) zeigt eine Häufigkeit von unter 5% aller Pflegeschulen. Catherina Pott kommt einige Jahre zuvor zu ähnlichen Ergebnissen.

Was man hingegen in einigen Pflegeschulen findet, sind multimodale Auswahlverfahren. Hierbei wird das klassische Auswahlgespräch um weitere Module wie Gruppenarbeit, Dikussionen etc. ergänzt. Ein echtes Assessment-Center, das alle wesentlichen Kriterien erfüllt, findet man in der Pflege sehr sehr selten (siehe http://www.arbeitskreis-ac.de/).

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Wer wirklich sein Auswahlverfahren verbessern will, der sollte sich den gelungenen Artikel von Bettina Schank und Olivia Wolf in der Pflegezeitschrift (01/2007) ansehen. Hier werden die einzelnen Schritte verdeutlicht: Erst die Anforderungsanalyse, dann das Auswahlverfahren. Weiterhin wird hier korrekterweise von “multimodaler Auswahl” gesprochen. Ein sehr gelungener Beitrag, der hoffentlich in den Pflegeschulen umgesetzt wird. Weitere Informationen zur Erstellung eines solchen Auswahlverfahrens für Pflegeschulen findet man übrigens bei www.pflegewissenschaft.uni-hd.de

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