Pflegenotstand – Notstand einer Altenpflegerin

comah am 12. November 2009 um 10:49

Am Wochenende traf ich Meike S. eine Bekannte, die ich schon seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Wir erzählten vom Alltag und sie berichtete von ihrer veränderten Lebenssituation und dass sie dadurch bedingt nun wieder in das Arbeitsleben einsteigen musste. Als examinierte Altenpflegerin sollte das mit ein wenig Einarbeitung kein Problem sein. Vor 18 Jahren, als ihre Zwillinge zur Welt kamen, hörte sie nach ein paar Jahre im Beruf auf zu arbeiten und widmete sich der Erziehung ihrer Kinder und ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten. Nun wollte (musste) sie wieder in ihren Beruf einsteigen, doch es stellte sich die Frage wer stellt jemanden nach so langer Pause ein. So bewarb sie sich erstmal bei einer Zeitarbeitsfirma, wurde sofort eingestellt und erhielt sofort eine Arbeit. Sie wurde an ein Altenpflegeheim vermittelt, indem „es brannte“, denn Einrichtungen wenden sich immer an Zeitarbeitsfirmen wenn die Personalsituation kritisch wird. Sie arbeitet nun dort seit 6 Monate und sie arbeitet sowohl in der Einrichtung wie auch wieder in ihrem Beruf sehr gerne.

Auf meine Nachfrage wie es mit der Einarbeitung war nach so langer Pause im Beruf winkte sie ab: „Was Einarbeitung? Einen Tag bin ich mitgelaufen und dann hieß es am nächsten Tag: Meike, kannst Du den 1. Stock übernehmen? Falls Du Fragen hast, kannst Du Dich gerne melden. Das schaffst Du schon.“ Klar hat sie das geschafft, aber die Ängste und Unsicherheiten, ob es alles so richtig ist blieben. Schon seit Jahren hatte sie kein s.c. Injektionen mehr verabreicht oder katheterisiert und subkutan Infusionen musste sie an ihrem früheren Arbeitsplatz auch nicht anlegen. So frischte sie ihr Wissen auf durch die Beobachtung ihrer Kollegen und übernahm das was zu tun war. Es waren noch keine 7 Tage vergangen, da musste sie eigenverantwortlich den Wochenenddienst übernehmen – sie sei doch examiniert!  Aus Angst und Unsicherheit kam sie an ihren freien Tagen vor dem Wochenende und arbeitete mit um noch etwas mehr Routine zu erlangen. Die Nächte davor schlief sie unruhig – Was mache ich falls es einen Notfall gibt? Hoffentlich erkenne ich ihn auch?

Weil sie für manche Tätigkeiten noch anfänglich mehr Zeit als die anderen benötigt (z.B. beim Medikamente stellen), kommt sie morgens eine halbe Stunde früher – aber Überstunden dürfen sie und ihre Kolleginnen sich nicht aufschreiben!! So erscheint es als ob die Stellen ausreichend sind.  Inzwischen hat sie sich gut eingearbeitet und einiges sich wieder angelesen, doch das Bedürfnis nach einer qualifizierten und strukturierten Auffrischungsschulung bleibt. Aber, wer bietet so eine Schulung für Wiedereinsteiger an? Und welcher Arbeitgeber hat Interesse daran die Fortbildungsmaßnahme zu finanzieren. Die Zeitarbeitsfirma verweist auf den Träger der Einrichtung, die Einrichtung auf die Zeitarbeitsfirma. So besucht Meike zumindest die hausinternen Fortbildungen in ihrer Freizeit, damit sie sich langsam wieder ein theoretisches und praktisches Fundament erarbeitet. Sie arbeitet nämlich sehr gerne in ihrem Beruf.

Dieses Beispiel beschreibt einen Einzelfall, der sicherlich in ähnlicher Weise häufig immer wieder vorkommt. Zu groß ist der Mangel an qualifiziertem Personal gerade in der Altenpflege. Es zeigt aber auch wie dringend notwendig eine klare Regelung in den Pflegeberufen ist, entweder durch eine Berufsordnung oder eine Pflegekammer. Nicht nur um die Qualitätsstandards zu definieren und hochzuhalten sondern um auch die Pflegenden zu schützen, nicht nur die Patienten. Eine Selbstverwaltung könnte sicherstellen, dass Mindestkriterien für den Wiedereinstieg in den Beruf eingehalten und entsprechende Fortbildungs-maßnahmen auch angeboten werden. Dadurch würden sich vielleicht mehr Pflegende wieder in den Beruf „trauen“, weil sie keine Angst vor schlaflosen Nächten und nicht vorhersehbaren Situationen haben müssten.

Evidenzbasierte Werbung - Teil 2

admin am 11. Juni 2008 um 16:24

Zum wiederholten mal hat die Zeitschrift „Die Schwester/Der Pfleger“ die Leserschaft mit einer Extra-Beilage „erfreut“. Die großen Lettern auf der Titelseite, das Layout und auch das Impressum des Faltblattes stellen die dort abgedruckten Inhalte klar als Publikation der Zeitschrift „Die Schwester/der Pfleger“ heraus.
Diesmal geht es um die Versorgung sekundär heilender und chronischer Wunden mittels der Wundauflage Polymem® QuadraFoam TM.
Dargestellt wird eine Fallbeobachtung an 59 Patienten, die die Wirksamkeit und die Handhabbarkeit des Produktes beschreiben. Die methodische Qualität der „Studie“ ist als schlecht zu bewerten, dennoch überzeugen die dortigen Photografien von geheilten Wunden sicherlich die Pflegenden in der Praxis. Wer Interesse an dem Produkt hat, der findet direkt eine Kontaktadresse für Bestellmöglichkeiten oder die Adresse der Akademie für Wundmanagement, die die Studie initiierte und durchführte.

Bei der Darstellung handelt es sich nicht um objektive Informationen, sondern um Public Relations, also Werbung, die dem Absatz des Produktes dienen soll. Kritisch daran ist, dass die Zeitschrift hier auch selbst im Impressum des Faltblattes auftaucht. Damit geht die Trennung zwischen redaktionellem Auftrag und Werbung verloren. Dies verletzt auch eine wichtige Forderung des deutschen Pressekodex. „Verleger und Redakteure (…) achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken.“
Die deutschen Pflegezeitschriften konnten sich – ganz im Gegensatz zur medizinischen Fachliteratur – bisher erfolgreich gegen solche gewerbliche Vereinnahmung wehren. Nun drängen vermehrt Beiträge mit gewerblicher Zielsetzung, aber vermeintlich informativem Charakter in die Zeitschriften.
Für eine Zeitschrift, die sich als „offizielles Organ des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe“, und als letzte wirkliche praxisorientierte, d.h. nicht wissenschaftliche, Zeitschrift etabliert hat, ist diesbezzgl. besondere Wachsamkeit geboten.

Das wissenschaftliche Poster als Kunst Inhalte kondensiert darzustellen.

comah am 1. Oktober 2007 um 08:50

Die Freude ist groß, wenn der eingereichte Beitrag auf einem Kongress angenommen wird, ist es doch Ausdruck dafür, dass sich die viele Arbeit und der Zeitdruck zum Abgabetermin sich gelohnt haben, und das Thema von Interesse ist. Doch wird der Beitrag dann doch nicht wie eingereicht als Freier Vortrag angenommen, sondern als Posterbeitrag wird die Freude verhaltener und Überlegungen kommen ins Spiel den Beitrag zurückzuziehen. Nicht deshalb weil man die Arbeit der Postergestaltung scheut – im Grunde genommen steckt fast mehr Arbeit darin, da auf wenig Raum das wesentliche verständlich zusammengefasst werden muss, ohne zusätzliche Erklärungen – sondern weil auf vielen Kongressen die Posterpräsentationen ein „Schattendasein“ führen.

Lassen Sie mich darstellen welche Gründe aus meiner Sicht für die Präsentation eines Posters auf einem Kongress sprechen:

  • Die Reflexion der eigenen Inhalte bei der Gestaltung des Posters
  • Evtl. die Möglichkeit in 2 bis 5 Minuten den Inhalt seiner Arbeit / des Posters verkürzt präsentieren zu können
  • Die Möglichkeit eines vergünstigten Kongressbeitrags
  • Die grundsätzliche Möglichkeit an einem Kongress teilzunehmen, da ohne eigenen Beitrag die Teilnahme vom Arbeitgeber nur durch Überzeugungsarbeit erreicht werden kann!
  • Die Veröffentlichung des Abstracts im Internet oder gar in einem Abstractband oder Verbandsorgan, so dass die beschriebenen Erkenntnisse langfristig abgerufen werden können (Dies wird für Wissenschaftler zunehmend wichtig auf der Jagd nach Impact und Publikationen).

Diesen einschlägigen Argumenten steht auf der anderen Seite die tatsächliche Realität der Posterpräsentationen auf einem Kongress gegenüber. Wie wird die Wertschätzung der Poster von den Autoren tatsächlich wahrgenommen? Als Bespiel möchte ich an dieser Stelle von einem Kongress in Nürnberg berichten, der vor kurzem statt fand, jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass Posterpräsentationen anderswo ein ähnliches Dasein fristen und ähnlich organisiert sind:

  • Bei besagtem Kongress wurde weder im Programm noch in der Pausenankündigung auf die Posterausstellung hingewiesen, auf die Industrieausstellung dagegen sehr wohl. Dazu die Anmerkung eines Verantwortlichen: „Man sieht ja dass dort Poster sind. Das ist ja immer so. Da muss man nicht explizit noch darauf hinweisen.“ Gegenfrage: Sieht man die Stände der Industrie nicht? Sind die nicht auch immer da? Oder wieso muss man auf sie hinweisen und auf die Poster nicht?
  • Für die Kongressteilnehmer war aus dem Programm nicht ersichtlich wann der Posterrundgang oder gar eine Posterprämierung terminiert war. Lediglich die Autoren der Posterbeiträge wurden vorab schriftlich informiert, dass aufgrund der Vielzahl an Poster keine Zeit für einen Posterrundgang möglich sei. Immerhin wurde ihnen der Zeitpunkt der geplanten Prämierung mitgeteilt.
  • Und zu guter letzt war die Hälfte der Poster direkt neben der Raucherecke aufgestellt (in Bayern gilt das Nichtraucherschutzgesetz erst ab 1.1.2008), die andere Hälfte auf der gegenüberliegenden Seite, auf dem Weg zur Toilette. So war zumindest sichergestellt, dass die Raucher in den Pausen die Möglichkeit hatten sich die Poster eine Zigarettenlänge lang zu betrachten.

An dieser Stelle möchte ich 3 Lösungsansätze skizzieren, die sowohl den Bedürfnissen der Organisatoren wie auch die der Posterautoren gerecht werden können:

    1. Die Poster sollten zentral platziert werden, damit man sie von allen Kongressteilnehmern wahrgenommen werden, als gleichwertiges Element des Kongresses fungieren und als Begegnungsstätte dienen.
    2. Die Anzahl der Posterbeiträge ist vom Programmkomitee so zu beschränken, dass ein Posterrundgang möglich ist.
    3. Der Posterrundgang kann in mehreren themenbezogenen Gruppen durchgeführt werden. Dabei können wie bei anderen Kongressen praktiziert (DEGAM) die Poster durch Kongressteilnehmer vorgestellt werden. Dazu fordern die Moderatoren im Vorfeld der Posterbegehung gezielt Kongressteilnehmer auf sich ein Poster und das dazugehörige Abstract anzuschauen und das Poster beim Rundgang vorzustellen. Hierbei wird deutlich, ob Inhalt und Aufbau des Posters für den Betrachter verständlich präsentiert wurden. Der Autor steht dann noch für zusätzliche Fragen zur Verfügung.

    Das hier beschriebene Verfahren ist zwar nicht in 30 Minuten „durchzuziehen“, lenkt aber die Aufmerksamkeit auf die Inhalte und Aussagen der Poster und kann so eine breitere Zuhörerschaft erreichen. Die Anerkennung der vielen Arbeit, die man in ein Poster stecken muss wird auf diese Weise spürbar.

    Als regelmäßiger Kongressteilnehmer weis man, dass die Betrachtung der Poster oftmals sehr anstrengend ist und die kondensierten Informationen zwischen den dicht gedrängten Vorträgen nur fragmentiert aufgenommen werden können. Ist es da nicht an der Zeit pädagogisch sinnvolle Konzepte einzusetzen, die den Postern und deren Inhalten gerecht werden?

Der Wittener Pflegekongress in Nürnberg ist zu Ende – ein persönlicher Rückblick

admin am 28. September 2007 um 16:01

Vom 25. bis 27. September 2007 fand in Nürnberg/Fürth die 6. Internationale Konferenz Pflege und Pflegewissenschaft statt.
Der Kongress hat deutlich gemacht, dass der Anteil an pflegerelevanter Forschung stetig steigt. Neben den Dauerbrennern wie Schmerzmanagement, chronische Wunden und Pflegeklassifikationen waren Versorgungskonzepte und Assessment-Methoden promimente Themen.
Die Bilanz kann sich sehen lassen:

  • 22 Hauptvorträge
  • 44 freie Vorträge
  • 34 Poster.

Und da gab es dann noch vier bzw. fünf Workshops, in denen mehr oder minder interaktiv zusammengearbeitet wurde. Herausgehoben werden kann hier der Workshop „Klinische Ethikberatung im Krankenhaus“ von Stephan Kolb, der am ehesten den Workshop-Gedanken umsetzte, indem die Interaktion und der Austausch von Meinungen gepflegt wurden. Von einer solchen wünschenswerten Diskussionskultur blieben einige Workshops, die eher eine Vorlesung waren,  leider weit entfernt.
Eine generelle Bewertung fällt schwer, weil es wieder einmal an einer strukturierten Evaluation einzelner Referenten/Referentinnen und der Gesamtveranstaltung fehlte. Die Evaluationen, wie sie beispielsweise beim DEGAM-Kongress genutzt werden, könnten für die Zukunft ein Vorbild sein.
Beim Vergleich mit den Programmen der letzten Konferenzen in Nürnberg zeigt sich folgender Trend:
-    Der Anteil an klinischer Pflegeforschung ist noch immer sehr gering
-    Quantitative Studien sind auf dem Vormarsch
-    Reviews und Übersichtsarbeiten sind häufiger zu finden
-    Der Anteil an Management und Pädagogik bezogener Forschung an den Vorträgen ist zurückgegangen.
Wieder einmal zeigt sich eine deutliche Dominanz an Forschungsarbeiten aus Witten.
Die folgende Grafik zeigt den Anteil an Vorträgen, die im Abstraktband mit den jeweiligen Ortsbezeichnungen zu finden sind.
Forschungsarbeiten Pflegekonkgress
Witten dominiert hier (aber auch bei den Postern) klar. Das verdeutlicht noch mal, wie wichtig dieser Studienstandort für die deutsche Pflegewissenschaft ist und wie forschungsstark diese Hochschule ist.Die Forschenden, deren Vorträge oder Poster nicht angenommen wurden, werden sicherlich eine andere Erklärung für die Ergebnisse haben.

In einem der folgenden Blogeinträge soll der Einfluss der Nähe im sozialen Netzwerk zwischen Referierenden und Wissenschaftlichem Beirat (operationalisiert im Sinne von Lang & Neyer, 2005, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 56, 520-538) auf die Redezeit (Hauptvortrag vs. Freier Vortrag) und Beitragsart (Poster vs. Vortrag vs. Workshop) untersucht werden.

Pflegewissenschaft – der harte Alltag

admin am 6. Juni 2007 um 16:13

In der Juni Ausgabe der Zeitschrift „Forschung & Lehre“ schrieb Gabriele Meyer unter dem Titel „Fischen im Trüben“  einen grandiosen Beitrag über die harte Realität des (pflege)wissenschaftlichen Berufsalltags. Aus der Perspektive einer Antragsschreiberin berichtet sie von den Tücken und Hürden der  Drittmittelbeantragung und –vergabe. Deutlich wird dabei, dass ein noch so wohl gefeilter und innovativer Antrag scheitern kann und die unklaren Bewertungsgrundlagen zu Sinnkrisen führen können. Dieses Produzieren von „Ausschuss, für die Ablage vorgesehene Papiertiger“ ist unbefriedigend, weil man auf der einen Seite die Notwendigkeit von Forschung gerade in der pflegerischen Praxis wahrnimmt, auf der anderen Seite entsprechende Forschungsvorhaben aber nicht genehmigt werden. Von Seiten der Praxis muss man sich zur gleichen Zeit den Vorwurf gefallen lassen, keine echten Innovationen entwickelt zu haben oder brennende Forschungsfragen nicht zu beantworten.
Von meinen ehemaligen Kolleginnen, die der Praxis treu geblieben sind, höre ich manchmal den Vorwurf: „In der Pflegewissenschaft macht man sich auch nicht müde“  oder „Das ist ein typischer Faulenzerjob“. Von den tatsächlichen Anforderungen haben die offensichtlich keine Vorstellung. Neben der Produktion von Papierstapeln für Anträge, ist sicherlich auch die Zeitverdichtung ein (pflege)wissenschaftliches Problem. Geißler und Orthey haben dies kürzlich in einem sehr lesenswerten Artikel im DUZ-Magazin plakativ dargestellt (http://www.duz.de/docs/artikel/m_04_07Zeit.htm). Mit der Forderung „Avanti Simultanti!“ verbinden sie die Hoffnung, dass das parallele Abarbeiten ohne Freiraum für kreative Schaffensprozesses bald ein Ende hat. Die derzeitige Realität sieht anders aus: „Immer weniger wird
erarbeitet, immer mehr nur weggearbeitet.“ und „Die zeitkomprimierende Arbeitsweise hat die schöpferische Tätigkeit in den
Universitäten erobert.“ Ein ebenso grandioser Beitrag.

Die DG-Pflegewissenschaft sucht sich selbst

admin am 26. April 2007 um 12:14

Auf den Seiten der DG-Pflegewissenschaft ist jetzt ein Kurzbericht der Mitgliedertagung am 17.04.2007 einsehbar. Hier ging es um die “Gestaltung des inneren und äußeren Dialogs” und Fragen der Sektionsstruktur. Zwei Sachen sind daran positiv hervorzuheben: 1) Die Tatsache, dass überhaupt ein Bericht geschrieben und ins Netz gestellt wurde, spricht dafür, dass Transparenz nicht nur gefordert, sondern auch umgesetzt wird. 2) Auch in den eigenen Reihen gibt es kritische Stimmen und die Bereitschaft zur Veränderung. Zwischen den Zeilen wird deutlich: Es gibt eine Vielzahl von Interessen (persönliche wie auch berufspolitische), die unter einen Hut zu bringen sind.

Ein ganz persönliches Brainstorming:

1) Kommunikationsstrukturen: Ich wünsche mir eine pluralistische Fachgesellschaft in der die Meinungen aller gehört und auch strukturiert abgefragt werden. Dazu gehört noch mehr Transparenz und Mitbestimmung über die Finanzierungen von Sektionen, Forschungsprojekten und Tagungsbeteiligungen. Dazu gehört Transparenz und Mitbestimmung über die Auswahl von Themen für die Mitgliederversammlung. Dazu gehört Transparenz über die Arbeit und Ziele in den Sektionen. Konkret drängen sich drei Fragen auf: a) Wer bestimmt eigentlich welche Informationen und Neuigkeiten auf der Homepage platziert werden? Wer entscheidet über die Auswahl von Fachbeiträgen in der Zeitschrift Pflege & Gesellschaft? Wer entscheidet über die Themen für Fachkongresse?  Delegation und Integration könnte das Motto der nächsten Jahre lauten, dann gelingt es auch mehr Mitglieder gewinnen und Netzwerke über die Landesgrenzen von NRW und Niedersachen hinaus zu bilden.

2) Sektionsstruktur: Hinsichtlich der Gestaltung der Sektionen merkt man, dass die Sektionsstruktur gewachsen und nicht strukturiert geplant wurde. Hier scheint es hilfreich, klare Strukturen auf gleichem Auflösungsgrad zu schaffen. Andere Fachgesellschaften können hier ein Vorbild sein, z.B. durch die fünf Komponenten: Theorie, Praxis, Methoden, Berufspolitik, Historische Forschung. Diese Hauptsektionen sind selbst wieder untergliedert und nutzen entsprechende Kommunikationsstrukturen. Eine derart gegliederte hierarchische Sektionsstruktur kann handlungsfähig bleiben und Trends überleben. Bisher entstehen Sektionen aufgrund eigener Expertise, Interessen und aktuellen Forschungstrends. Dies führt zu Schwerpunktsetzungen auf unterschiedlichem Niveau. Wenn eine Sektion „Bildung“ neben der Sektion „Pflegephänomen Inkontinenz“ existiert, dann ist das so, als würde im Verband der Gemüsewirtschaft, eine Sektion „Ertragssteigerung“ neben der Sektion „Schräglagenanbau der Bio-Karotte Milan in Ost-Westfalen“ existieren. Beides  ist relevant. Beides ist interessant. Aber die Struktur fehlt.

Zur Sektionsgründung gehört auch eine klare zeitlich festgelegte Zielsetzung. Bei einigen Sektionen fehlt dies - zumindest in der Internetdarstellung.

Fazit: Mit den frischen Impulsen, die von der Mitgliedertagung am 17.04. ausgehen, wird es sicherlich gelingen, geeignete Veränderungen zu erreichen. Wichtig ist auch hier eine klare Zielbildung, Zielbindung und eine schnelle Umsetzung, denn während man in Villabajo noch auf der Suche nach sich selbst ist, laufen in Villariba schon die ersten Vorbereitungen zur Gründung einer neuen pflegewissenschaftlichen Fachgesellschaft.

Pflegewissenschaftlich Professur Frankfurt - Evidenzbasierte “Klinische Pflege” im Labor.

admin am 23. April 2007 um 16:02

Stellenausschreibung sind auch Marketing-Instrumente. Ein Blick in den Stellenmarkt offenbart nicht nur wen Einrichtungen suchen, sondern immer auch was die Klinik oder Pflegeeinrichtung bietet. Wenn nicht mit innovativen Pflegekonzepten, Betreuungsangeboten für Kinder oder Fortbildungsveranstaltungen aufgewarten kann, wird auch schon mal gerne die Anzahl der Betten oder die landschaftlich schöne Lage der Einrichtung als Werbefaktor angeführt.
Bei Stellenaussschreibungen für wissenschaftliche Stellen wird ein solcher Anwerbefaktor bisher kaum genutzt, obwohl man damit Studierende wie auch Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler erreichen könnte. Differenzierend sind hier die Feinheiten in den Formulierungen, die klar machen was (Fach)-Hochschule X von (Fach-)Hochschule Y unterscheidet. Eine solche Feinheit fand sich in der Zeit vom 18. April 2007. Da sucht die FH Frankfurt eine Professorin/Professor für das Themengebiet „Evidenzbasierte „Klinische Pflege“ im Labor“. Was ist das?

“Evidenzbasierte Werbung” garantiert patientengerechte Wundversorgung?

comah am 13. April 2007 um 18:12

In der EXTRA Beilage von “Die Schwester/Der Pfleger” 4/07 werden Ergebnisse von Studien plakativ im Stil von Frauenzeitschriften dargestellt und wirken eher als Werbung für ein Produkt als ernstgemeinte Information. Dass evidenzbasierte Strategien eine patientengerechte Wundversorgung garantieren ist unumstritten. Allerdings ist bei evidenzbasiertem Vorgehen genau zu beschreiben wie das Studiendesign aussah, welche Kriterien herangezogen wurden und wie die Daten zustande gekommen sind. Auf diese Fragen wird in dieser Beilage nicht eingegangen, sondern lediglich auf Web-seiten verwiesen, auf denen die Studien nicht nachgelesen werden können – selbst auf den Seiten des UKE Hamburg sind die “Cvderm Seiten” nur versteckt aus dem Beitrag zu entnehmen und nicht verlinkt. Somit erweckt es den Anschein, als ob die Beilage geschickt verpackte Werbung darstellt. Eine Evidenz für das vorgestellt Behandlungskonzept ist aus meiner Sicht dem Beitrag nicht zu entnehmen. Als DBfK Mitglied, dem die Zeitschrift nun zwangsläufig ins Haus kommt, fühle ich mich mit solchen Werbebeilagen „veräppelt“. Wenn die Informationen und Ergebnisse relevant sind, dann sollten sie doch eher in der Zeitschrift veröffentlicht werden. Evidenzbasiert scheint in diesem Fall eher zu sein, dass Leser aufgrund solcher Beilagen das Produkt unter Umständen unreflektiert einsetzen!

Was macht einen Pflegewissenschaftler/eine Pflegewissenschaftlerin aus?

admin am 26. Februar 2007 um 15:57

In einem engagierten Positionspapier erläutern in der Ausgabe 02/2007 der Pflegezeitschrift Theo Dassen und Jan Kottner ihre Sichtweise zum Stellenwert der Pflegewissenschaft in Deutschland. Dabei bemühen sie sich auch um Abgrenzungen zu anderen pflegebezogenen Studiengängen und benachbarten Wissenschaftsrichtungen. Ohne Zweifel ist das ein gelungener Beitrag, der klar macht: Nicht immer ist Pflegewissenschaft drin, wo Pflegewissenschaft draufsteht, das gilt für Studiengänge ebenso wie für Publikationen.
Die Feststellung, dass es viel Forschung über die Pflege und wenig Forschung in der Pflege gibt, verdeutlicht das Grundproblem: Die schnelle Wissensvermittlung in den Studienfächern Pflegepädagogik und Pflegemanagement wird irgendwann auf der Stelle treten, wenn nicht bald vermehrt pflegewissenschaftliche Forschung betrieben wird. Ohne Zweifel mangelt es daran in Deutschland. Ich stimme zu, dass in einigen Studiengängen die Dominanz sozialwissenschaftlicher Themengebiete den Blick auf die Pflegewissenschaft versperrt. Mir scheint es auch so, dass viele Soziologin, Psychologinnen –natürlich auch Psychoanalytikerinnen - und Pädagoginnen auf dem Niveau ihres Studiums stehen geblieben sind und für echte pflegewissenschaftliche Fragestellungen und Theorien nichts übrig haben, geschweige denn hier auf dem neusten Stand sind. Trotz der möglichen Relevanz, die deren Wissensvermittlung, für die Praxis hat, bleibt der Bergriff „Pflegewissenschaft“ in diesen Fällen eine Mogelpackung. Aber dieser Missstand darf nicht generalisiert werden.
Ich halte es für einen Fehler, die Ursache für die mangelnde Berücksichtigung der Pflegewissenschaft in der mangelnden Einstellung von Pflegewissenschaftlerinnen/Pflegewissenschaftler zu sehen. In dem Artikel wird leider pflegewissenschaftliche Kompetenz mit pflegewissenschaftlichem Studium gleichgesetzt. Das ist ungeeignet, um die eigentliche Botschaft zu transportieren.
Viel entscheidender als der Studienabschluss sind doch die theoretischen, methodischen und praktischen Kompetenzen, sowie die Forschungsschwerpunkt der Personen. Daher kann natürlich auch ein Sozialwissenschaftler/eine Sozialwisseschaftlerin pflegewissenschaftlich – auch im Sinne von Dassen und Kottner – arbeiten.  Ebenso ist es möglich, dass Pflegewissenschaftlerinnen/Pflegewissenschaftler die Kompetenz zum pflegewissenschaftlichen Arbeiten nicht mitbringen, weil beispielsweise fundamentale
methodische Kompetenzen fehlen. Die Beispiele verdeutlichen, dass es wichtig ist, Studienabschluss und berufliches Interesse/berufliche Kompetenz zu trennen.

Fazit:  Da der Begriff Pflegewissenschaftlerin/Pflegewissenschaftler nicht geschützt ist und die Ausbildung bundesweit sehr heterogen ist, kann alleine die inhaltliche und methodische Ausrichtung für die Abgrenzung relevant sein. Es macht Sinn, sich über das Selbstverständnis und Forschungsinhalte auseinanderzusetzen, aber es macht keinen Sinn gute und schlechte Pflegewissenschaft anhand des zugrunde liegenden Studiums trennen. Die Frage von Dassen und Kottner „Wenn es keine Pflegewissenschaftler gibt, so stellt sich die Frage, wer denn diese Basis erarbeitet?“ müsste also so lauten „Wenn es keine Pflegewissenschaft gibt, so stellt sich die Frage, in welchen Wissenschaftsbereichen diese Basis erarbeitet wird?“

Deutscher Pflegerat sponsored by O2?

admin am 19. Februar 2007 um 15:25

Endlich haben nun auch die großen Telefonanbieter die deutschen Pflegenden als zahlungskräftige Kundschaft entdeckt. Da ist es nur schlüssig, wenn der Telefonanbieter O2 auf der Startseite des Deutschen Pflegerates werben darf. Da möchte man ja schon wissen, was so ein Werbebanner einbringt und wie sich dieses Sponsoring auf die Mitgliedsbeiträge der beteiligten Berufsverbänden (DBfK etc.) auswirkt.
Fürs Image ist das sicherlich nicht besonders zuträglich.